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Wenn es richtig weh tut, ist es eine Chance

„Wow, das hat gesessen!“

 

„Halts Maul!“ dieser Satz hat mich heute kurzfristig aus den Angeln gehoben. Wer diese Macht über mich hatte, mich mit diesen beiden Worten derart in eine andere Sphäre zu bugsieren? Unsere liebe, schlaue, hübsche, einzigartige, kreative, anständige, siebenjährige Tochter. Unser aller Sonnenschein. „Boom“ direkt in Muttis Herz. Ich war so geschockt, dass der Kloß im Hals nicht mal die Gelegenheit hatte sich in Tränen in den Augen zu ergießen.

Wir saßen bei den Hausaufgaben und meine Antwort war wohl nicht die erhoffte gewesen. Wir waren nicht allein, sonst hätte sich mein berstendes Gefühl sofort in eine heftige Standpauke gewandelt. Ich hatte Glück. Die beiden Gastkinder, die nach diesem Ausspruch gebannt in meine Richtung blickten, was sich für mich nach einem „auweia, jetzt gibt’s gleich was zu hören!“ oder nach  „das kann sie nicht auf sich sitzen lassen.“ anfühlte, verhalfen mir zu einer großartigen Gelegenheit. Ich wollte dieses Gefühl von tiefen Getroffen sein, nicht vor den fremden Kindern offenbaren. Also sagte ich, immer noch betreten: „das besprechen wir, wenn die anderen später nicht mehr da sind.“ Überrascht von mir selber. Vor meinem inneren Auge, machte ich eine hysterische Szene, schickte die anderen Kinder ohne Umschweife nachhause und bombardierte unsere Tochter mit Konsequenzen. In der Realität saß ich da. Mein Blick sprach Bände und so schlich die Tochter mit gesenktem Kopf davon.

 

Boah, war ich beleidigt. Der Kloß im Hals deutlich spürbar. Also ging ich auf die Suche. Wieso bist du denn so getroffen. Ja geradezu verletzt? Du kennst sie doch. Woher hat sie überhaupt diese Ausdrucksweise? Diese Frage war schnell geklärt. So schimpfe ich immer mit unserem Hund, wenn er wie verrückt bellt. Dass unser Kind diese Worte mal gegen mich verwendet, wäre mir nie in den Sinn gekommen. Erste Trostmaßnahme war eines der selbstgebackenen Plätzchen. Auch hatte ich ein Bedürfnis nach meiner Kuscheljacke und des Alleinseins.

 

Während ich also mit dem Plätzchen (ein extra großes) meine Kuscheljacke vollkrümelte, ging der innere Dialog weiter.

 

Was ist der Grund dieses Ausgehebelt seins? Es kam mir ziemlich klar und deutlich. Dieser Text war eine eindeutige Zurückweisung. Quasi „Du und Deine Worte sind hier nicht erwünscht!“ Das war das, was bei mir ankam. Das was ich empfand. Die Tochter wollte nur, dass ich aufhöre Dinge zu sagen, die sie in dem Moment nicht hören wollte. Sie vielleicht auch vor ihren Freunden ärgerte. Vielleicht war sie ebenso von meinen Worten „Machs nicht so kompliziert!“ getroffen. Nach diesen für mich klärenden Gedanken, war das Betroffen sein und die Traurigkeit verflogen.

 

Wow. Anstatt auszuflippen, schaffte ich es bei mir zu bleiben und die Lage erstmal für mich zu klären. Denn wenn jemand die Macht besitzt, Dich zu verletzten, dann nur weil Du es zulässt. Hatte ich mal irgendwo gelesen. Und ja, dies war eine einfache Gelegenheit dafür, die Machtverhältnisse zu klären.

 

Ich wünsche mir, immer mehr bei mir zu bleiben, jeden Tag ein bisschen mehr.

 

In diesem Sinne,
Herzlichst Alessandra Königsberger 

 

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